Beat Club Edition

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Die Swingin' Sixties

pfloydIn den 1960er Jahren rebellierten Jugendliche weltweit gegen eine konservative Gesellschaftsstruktur. Die Friedensbewegung feierte große Erfolge. Neben dem Protest gegen politische Ereignisse weitete sich auch der Kampf für Freiheit in Kunst und Kultur aus - ein Kampf gegen Spießertum und vorgegebene Verhaltensmuster. Noch heute gelten die "Wilden 60er" als Inbegriff der schrillen Jugendkultur, die in London ihren Ursprung hatte: Drogen und Rockmusik, lange Haare bei Männern, ausgefallene Kleidung, der Drang nach politischer und kultureller Freiheit waren angesagt. In London eroberten Beatmusik, Rockbands und der Minirock die Herzen der Jugendlichen.

Die Carnaby Street – das Mekka der Modewelt

quandtDas New Yorker "Time Magazine" prägte 1966 den Begriff "Swingin' Sixties", der bis heute als die treffende Bezeichnung des Jahrzehnts mit dem beschwingten Lebensgefühl gilt. Dieses Lebensgefühl wurde nirgends so intensiv gefeiert wie in der Carnaby Street: Die kleine Straße in Londons Szeneviertel Soho entwickelte sich in den 1960er Jahren zum Mekka der Mode- und Musikwelt. Londons Vorzeigestraße bot die angesagtesten Mode- und Musikläden der Welt. Hier reihte sich eine extravagante Boutique an die andere. Hier entstanden Trends. Die passende Kleidung zu diesem Jahrzehnt im Aufbruch schuf die Modedesignerin Mary Quant. 1965 erfand sie den Minirock, der mit allen bisherigen Modekonventionen brach. Die skandalträchtige und haarscharf bemessene Rocklänge wurde heiß diskutiert und in provokativen Aktionen dargeboten. Der Minirock wurde zum Politikum, er galt als Zeichen der rebellierenden Jugendlichen und war Auslöser vieler Demonstrationen und Kundgebungen. Doch schon bald wurde er zum absoluten Modetrend der 1960er Jahre. Schnell kam keine Modezeitschrift mehr ohne ihn aus. Twiggy, das dürre Model aus einem Londoner Vorort, war in den 1960ern Ausdruck und Vorbild einer ganzen Generation und Modewelle. In einem revolutionären Modeumschwung löste die coole Mode der 1960er Jahre den biederen Hausfrauenlook der 1950er ab. Die Frisuren wurden kurz und peppig, die Mode cool und ausgeflippt. Erlaubt war, was gefiel.

Swingin' London und seine Musik

Auch in der Musik sprengte London in den 1960er Jahren alle Grenzen. In London befanden sich die angesagten Clubs, hier fanden die besten Partys statt. Das Leben bestand aus Exzessen, Partys und Drogen. Aufgrund des Babybooms der Nachkriegszeit gab es in den 1960ern eine nie da gewesene Zahl an partywilligen Jugendlichen. Entsprechend brodelte und swingte eine ganze Generation voller Musik- und Modefans. Exzentrische Partys, wilde Konzerte und poppig-schrille Fans im Musikrausch machten das Leben in London zur großen Party. Bands wie die Beatles, Pink Floyd oder die Rollings Stones feierten in London ihren Durchbruch und schrieben Musikgeschichte. Der Zebrastreifen, den die Beatles auf ihrem Plattencover der nach der Abbey Road benannten Langspielplatte überquerten, ist noch heute eine Touristenattraktion. Und auch Konzertsäle wie der "Wag Club" oder "The Club", in denen einst Pink Floyd oder Soft Machine spielten, ziehen noch immer Musikbegeisterte an.  Die 1960er Jahre bildeten den Nährboden für weitere Bands wie die Sex Pistols oder The Clash, die mit der Hymne "London Callin'" einen großen Hit landeten. Von London aus wanderten Bands und Stücke in die Welt hinaus, die Generationen bis heute begeistern. 

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Summer of Love

Anfang der 1960er Jahre hatte sich in der Bay Area eine Kultur entwickelt, die sich von der Mode der Zeit wie den Beatniks ab- und historischen Vorbildern zuwandte. Viktorianische Kleidung und Folkmusik wurden beliebt. Als prägend gelten The Charlatans, in deren Umfeld Janis Joplin nach San Francisco zog. Hinzu kam als weiterer Faktor die Kultur der LSD-Nutzer, wie sie sich in Form von Acid-Test und den Merry Pranksters um Ken Kesey entwickelte.[1]The Charlatans und die befreundeten The Family Dog erfanden im Sommer 1965 auf einer gemeinsamen Tour nach Virginia City, Nevada einen Musik- und Tanzstil, der später als psychedelisch bezeichnet wurde.

Im Winter 65/66 entstanden die ersten großen, mehrtägigen Partys und Festivals in San Francisco, auf denen sich die die bislang verstreuten Anhänger trafen, eine gemeinsame Subkultur bildeten und an Stärke gewannen. Der Grafiker Wes Wilson erfand für Poster zu diesen Partys grafische Formen, aus denen die Psychedelische Kunst entstand. Auf den Partys spielten erstmals Musiker zusammen, die dann die Band Jefferson Airplane gründeten. Das Jahr 1966 prägte die Kultur. Aus Protest gegen den Vietnamkrieg entstand ein Revival des Anarchismus.

Die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner hatte die Black Panther Party hervorgebracht. Es gab Ableger der Kultur in anderen Städten, wie in New York City, wo das Musical Hair entstand und eine vergleichbare Subkultur im Stadtteil East Village auflebte. Im Oktober 1966 fand in Haight-Ashbury eine Open-Air “love-pageant rally” statt, bei der tausende junge Leute sich versammelten.

Der Ausdruck Summer of Love (Sommer der Liebe) bezeichnet den Sommer des Jahres 1967, als die sogenannteHippiebewegung in den USA auf ihrem Höhepunkt angelangt war. Oft wird fälschlicherweise angenommen, der „Summer of Love“ bezeichne den Sommer des Jahres 1969, in dem das Woodstock-Festival stattfand.Der Ausdruck versucht, das Lebensgefühl zu beschreiben, welches im Sommer 1967 im kalifornischen San Francisco herrschte. Als Beispiel dafür gilt der Song San Francisco, gesungen von Scott McKenzie, geschrieben von John Phillips, Sänger von The Mamas and the Papas:

„If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair. If you come to San Francisco, Summertime will be a love-in there.“

– Scott McKenzie: San Francisco,1967

Der kulturelle Höhepunkt des Summer of Love war das Monterey International Pop Festival vom 16. bis 18. Juni 1967. Als Ende des Summer of Love kann die Veranstaltung Death of a Hippie am 6. Oktober 1967 gesehen werden, als ein Hippie symbolisch zu Grabe getragen wurde. Die Veranstalter protestierten dagegen, dass die Menschen – von den Medien verursacht – das Hippiesein nur noch imitierten und nicht mehr fühlten.

„Don’t do it because someone else is doing it. Do it because that’s how you feel about it.“[5]

Genau ein Jahr zuvor wurde LSD für illegal erklärt.Quellen:

Einzelnachweise

  1. Hochspringen↑ Soweit nicht anders angegeben, beruht dieses Kapitel auf: Sheila Weller: Suddenly That Summer, Vanity Fair, Juni 2012
  2. Hochspringen↑http://www.diggers.org/history.htm
  3. Hochspringen↑ Derek Taylor It was twenty Years ago Today S.181, 1987 Bantam Press, ISBN 0-593-01269-0
  4. Hochspringen↑ GEO Special: San Francisco 1988, ISBN 3-570-02824-0
  5. Hochspringen↑ Derek Taylor It was twenty Years ago Today S. 243, 1987 Bantam Press, ISBN 0-593-01269-0